„Digitalisierung“ in der Touristik: die Mär von den Datenformaten

Mit der zunehmenden Nutzung XML-basierter Datenformate für die Distribution von touristischen Produkten wird es möglich, Angebote mit Hilfe von Attributen zutreffender zu beschreiben. Dies kann beispielsweise durch Einbindung etablierter Attribut-Systeme über Namensräume erfolgen. Damit wäre es für Konsumenten möglich, differenzierter zu suchen und für Anbieter eröffneten sich Chancen für qualitatives Wachstum durch differenzierte Produkte.

Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus, dass trotz vermehrter Nutzung der regelbasierten XML-Formate in den vorherrschenden IBEs und Vertriebssystemen immer noch keine angemessene Unterstützung einer differenzierten Attributsuche zu finden ist. Begründet wird dies u.a. mit der Aussage, "gleichzeitig sorgen diese Möglichkeiten aber für ein exponentielles Angebotswachstum". Damit wird behauptet, dass die Angebotsanzahl in den Vertriebssystemen aufgrund ihrer Menge nicht durchsuchbar sei und dass diese ausufernde Angebotsmenge etwas mit der erweiterten Attribuierung der Leistungen durch Attributsysteme zu tun habe.
Die exponentielle Steigerung der der Angebotsmenge resultiert aber nicht etwa aus erweiterten Parametern bei der Suche, sondern aus der kombinatorischen Vergrößerung des Suchraums durch die „Flexibilisierung“ der Produkte, bei der die Einschränkungen bei Verkehrstagen,  Abflughäfen oder Aufenthaltsdauern wegfallen. Historisch kann man anhand der stetig gestiegenen Datenmengen bei konventioneller INFX-Produktion feststellen, dass das exponentielle Wachstum der Angebotsmenge schon vor der Erweiterung der Suchparameter in den Vertriebssystemen stattgefunden hat.
Die Produktion dieser Datenmenge als vorausberechnete Kombination der Leistungsbestandteile, wie sie trotz OTDS oder EDF immer noch zum Befüllen der Distributionssysteme praktiziert wird, führt zu erheblichen Ungenauigkeiten und Fehlern bei Preisen und Verfügbarkeiten und somit zur Verunsicherung der Suchenden. Der Grund für die Überlastung der Suchsysteme ist somit die vergleichsweise geringe Qualität und Verlässlichkeit der Ergebnisse und nicht die gesteigerte Differenzierbarkeit der Suche. Letztere ist geradezu zwingend erforderlich, um unterschiede in Qualität und Leistung deutlicher herauszuarbeiten und dem Konsumenten auf Anhieb zu zeigen, worin sich einzelne Angebote tatsächlich unterscheiden.

Konsequent eingesetzt müsste eine weitgehende Ausdifferenzierung der Leistungen zum Ende der Preisvergleich-Systeme führen, da die Cluster der gleichartigen Angebote durch differenzierte Suchen immer kleiner werden.

Der Einsatz regelbasierter Datenformate wie OTDS oder EDF ermöglich beides, die Verschlimmerung oder die Verbesserung der Situation. Verschlimmern lässt sich die Situation durch weiteres Aufblähen des Suchraums, da die Problematik des Transports der aufgeblähten Angebotsmenge vom Lieferanten zum Vertriebssystem durch die neuen Datenformate gemildert wird. Das Aufblähen erfolgt im Gegensatz zu INFX sozusagen erst im Vertriebssystem. Verbessern ließe sich die Situation durch stärkere Differenzierung der Leistungen über Attribuierung, Aufrüstung der Liefer-Systeme um vorgeschaltete Suchsysteme und eine allgemeinen Abkehr von offenen Suchen, wodurch die Notwendigkeit der kombinatorischen Vorausberechnung entfallen könnte.

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