Die Zukunft der Veranstaltersysteme

Status Quo: Überfrachtung und Anfragestau

Die Mehrheit der mittelständischen Reiseveranstalter nutzt eine sogenannte Branchenlösung, ein Veranstaltersystem. Analysiert man jedoch die aktuelle Lage dieser Gruppe, so fallen zunehmende Probleme bei der Integration neuer Verfahren und Prozesse auf. Zudem stellt man eine erhebliche Grundlast des Systembetriebs und eine nicht zu unterschätzende Komplexität der Anwendungslandschaft fest. Dies führt häufig zu einer hohen Last bei den IT-Abteilungen und einem Projektstau bei den Fachabteilungen. Wie aber kommt es zu einer solch komplexen Anwendungslandschaft, wo man doch eine vermeintlich umfassende Branchenlösung eingekauft hat?

Der Grund liegt im Wandel der Anforderungen. Um diesen Rechnung zu tragen wurde im Zeitverlauf versucht, immer mehr individuelle Funktionalität in die Standardlösungen einzubauen. Dies geschah zunächst allmählich und nachfragegetrieben. Damit stieg jedoch die innere Komplexität der Software, was Auswirkungen auf Kosten der Fehlerbehebung und zukünftige Erweiterbarkeit hatte. Ähnlich wie in der Thermodynamik nimmt die Unordnung (Entropie) in solchen geschlossenen System immer weiter zu.

Der Anfragestau bei den Kunden bewirkte, dass immer häufiger versucht wurde, Funktionen ausserhalb der Branchenlösung umzusetzen bzw. diese teilweise zu umgehen. Diese Tendenz führte wiederum bei den Herstellern der Standardsoftware zu einem noch stärkeren Bestreben, sämtliche Kundenwünsche an sich zu reißen und irgendwie in der Software abzubilden. Statt ein aktives Lebenszyklus-Konzept zu verfolgen und den technologischen Wandel zu nutzen wurde im Wesentlichen auf dem ersten Technologie-Stack beharrt und somit eine, aus heutiger Sicht nicht mehr tilgbare, technische Schuld aufgenommen.

Geringe Wahrscheinlichkeit für „Next-Generation“ System

Vor dem Hintergrund eines sich konsolidierenden Marktes bei den Anbietern von Pauschalreisen und der schrumpfenden Margen bei den technologiegetriebenen Neueinsteigern vor allem im Bereich dynamischer Produktion ist nicht zu erwarten, dass es eine neue Generation von Veranstaltersystemen geben wird, um damit die bestehenden Systeme ablösen. Dafür lassen sich triftige Gründe finden, die sowohl bei den Herstellern als auch bei den Kunden liegen. Für beide Seiten ist vor allem das Risiko einer Neuentwicklung kaum tragbar. Ein solches Unterfangen lässt sich zudem schwerlich aus dem Cash-Flow finanzieren und bei der Enge des Marktes findet sich dafür auch kaum Venture-Capital.

Zukunft: Selbstenthaltende Komponenten und Integration

Der Schlüssel zur Lösung des Problems liegt in der IT-Kompetenz der Veranstalter selbst. Statt immer weiter Funktionen in monolithische Software einzubauen, könnten die führenden Hersteller sich auf die Entwicklung fachlich klar abgegrenzter Komponenten konzentrieren, die dann von den Kunden zu flexiblen Lösungen integriert werden.

Jede Komponente verfügt in einem solchen Szenario über ein autonomes Datenmodell. Die Kontrolle der damit erforderlichen Redundanzen und Replikationsverfahren obliegt dem Betreiber. Beispiele für Komponenten wären Inventory, CRS-Schnittstelle, Vorgangsverwaltung, CMS, CRM, FiBu, Controlling, Contracting, Kalkulation, Database Publishing u.v.m. Für die meisten dieser Komponenten gäbe es sogar alternative Anbieter und eine Integration wäre mittels moderner Web Technologien möglich.

Erfolgreiche Beispiele für solche „Microservice-Architekturen“ finden sich vor allem im E-Commerce. So verfolgt OTTO seit einigen Jahren konsequent diesen Ansatz, aber auch Spotify und Zalando lassen diese Strategie erkennen.

Fazit

Für die Veranstalter rückt der Zeitpunkt näher, wo die bestehende Anwendungslandschaft nicht mehr beherrschbar und eine strategische Neuordnung geboten ist. Ein Wechsel zu einem anderen Veranstalter-System wird daran nichts ändern, ein Wechsel der grundsätzlichen Lösungsstrategie birgt dagegen die Chance, auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen zu können.

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